Turtok und Glurak machen die Straßen sicher | Pokemon Go zieht seine Fans rund um die Uhr ins Freie

Pokemonjäger
Acht PokeStops sorgen dafür, dass der Platz vor dem Landratsamt zu einem beliebten Treffpunkt für Pokemon-Jäger wurde.

Man kann derzeit fast zu jedem Zeitpunkt in der Pforzheimer Nordstadt vor dem Landratsamt vorbeischauen, immer sieht man jemanden, der mit dem geneigten Kopf über seinem Mobiltelefon hängt. Die Begrüßungsformel lautet nicht mehr „Hallo, was geht“ sondern man erkundigt sich bei seinem Gegenüber mit einem „Auf welchem Level bist du?“. So erkennt man die Jünger des Pokemon Go-Wahns, der nicht nur junge Menschen über die Telefone wischen lässt. Sie jagen unter anderem nach Turtok, einem schildkrötenähnlichen zweibeinigen Pokemon mit einem riesigen blauen Panzer und Glurak könnte man als echsenartigen Drachen mit verkümmerten Armen bezeichnen. Je nach Art des gefangenen Wesens sammelt man Punkte und kann in Kämpfen gegen andere antreten. „Ich habe das Spiel meinen Kindern gezeigt und beim installieren geholfen, jetzt bin ich selbst auch am Figuren jagen“ verrät ein Mitfünfziger, der dann aber doch seinen Namen nicht verraten will. Eigentlich, so meint er, ist es schon ein wenig peinlich, wenn man mit dem Telefon durch die Straßen läuft, um an den sogenannten PokeStops virtuelle Tierchen einzusammeln und dann in einer Arena gegen andere anzutreten.
„Aber so gehen die Kinder auch wieder gerne an die frische Luft und bewegen sich draußen“, sieht er in dem neuen Spiel einen Vorteil. Ein jüngerer Spieler erzählt stolz, dass er seit dem Start seines Spiels „in sieben Tagen schon 25 km mehr gelaufen sei“ denn auch das kann man in der Statistik sehen. Es gibt im Spiel Eier, die man ausbrüten muss, was aber nur in Schrittgeschwindigkeit funktioniert, wenn man zu den unterschiedlichen Haltestellen läuft. Da das Spiel über ein globales Navigationssatellitensystem kontrolliert wird, ist auch Schummeln nicht möglich, in dem man zum Beispiel mit dem Auto zu den verschiedenen Treffpunkten fährt.
Eine Mutter, die – wie sie sagt „nur für ihren Sohn nach den kleinen Monstern jagt“ – sieht in dem Rummel für sich persönlich noch einen anderen Vorteil. „Wenn ich abends im Dunkeln nach der Arbeit nach Hause bin, musste ich immer den beleuchteten Umweg nutzen. Jetzt kann ich wieder die Abkürzung über den Vorplatz vom Landratsamt nehmen, denn es sind bis spät in die Nacht Menschen unterwegs.“ Und wenn man sich von jemandem bedroht fühlt, müsse man nur die Namen von den seltenen Spielfiguren Turtok und Glurak rufen und alle kommen gelaufen um die zwei einzufangen.
Die Brüdern Pulitano, die an dem Platz eine Gastronomie betreiben, merken nicht, dass der Vorplatz im Vergleich zu früher ein beliebter Treffpunkt ist. „Wir haben leider nicht mehr Umsatz durch die Spieler, nur gelegentlich kommt einer rein, der die Toilette benutzen möchte.“

 

Acht PokeStops sorgen dafür, dass der Platz vor dem Landratsamt zu einem beliebten Treffpunkt für Pokemon-Jäger wurde.
Acht PokeStops sorgen dafür, dass der Platz vor dem Landratsamt zu einem beliebten Treffpunkt für Pokemon-Jäger wurde.